Status Minor - Dialog (Lion Music)

Score: 7.5/10

Review

Finnland, das Land der tausend Bands - eine davon lautet auf den etwas merkwürdig anmutenden Namen STATUS MINOR, der hoffentlich nicht stellvertretend für die Qualität der Musik stehen wird; aber dazu später mehr. STATUS MINOR, das sind fünf junge Finnen, die sich voll und ganz dem melodischen progressiven Heavy Metal verschrieben haben, und die nach mehreren Promo Cd's in den letzten Jahren jetzt endlich ihr Debütalbum „Dialog“ veröffentlichen können. Wir kombinieren kurz: Finnland und Progressive Metal - da ist es klar, dass STATUS MINOR ihre Labelheimat bei Lionmusic gefunden haben. Gut, wirklich darauf gewartet hat die Welt jetzt nicht auf „Dialog“, nett ist das Album aber trotzdem geworden, und das ist jetzt gar nicht despektierlich gemeint. Dass die Band ihr Handwerk versteht, wird bereits nach dem ersten Hördurchgang von „Dialog“ deutlich. Besonders der Dialog zwischen den Keys und den Gitarren weiß dabei zu gefallen. Man hat zwar teilweise das Gefühl, dass das Keyboard von Jukka Karinen allgegenwärtig ist, das geht aber nicht zu Lasten der Heavyness - Gitarre, Bass und Schlagzeug drücken ganz schön, so dass man STATUS MINOR an einigen Stellen sogar das Etikett Power Metal verpassen könnte. Zusätzlich packt der Mann an der Gitarre, Sami Saarinen, einige fulminante Soli aus, die sich aber zu jeder Zeit gut in die jeweiligen Songs integrieren. Von der Warte aus, kann man STATUS MINOR ganz gut mit einer Band wie EVERGREY vergleichen, wenngleich die Finnen nicht ganz so düster und geradlinig zu Werke gehen wie die Schweden.

Insgesamt sind die Einflüsse der Band recht schwer auszumachen, je nach Stimmung der Songs, kommen einem andere Bands als Referenzen in den Sinn, so dass ich STATUS MINOR unterm Strich zumindest eine gewisse Eigenständigkeit attestieren möchte, auch wenn man weit davon entfernt ist, etwas neues zu kreieren.

Mit gerade mal 45 Minuten fällt „Dialog“ für progressive Verhältnisse relativ kurz aus und wenn man bedenkt, dass bereits der Titeltrack „Dialog“ über 15 Minuten dauert, fallen die restlichen 6 Songs ziemlich kompakt aus. Warum das Labelinfo in diesem Zusammenhang von „eight catchy [...]“ spricht, ist mir ein Rätsel - in der Grundschule nicht richtig aufgepasst?_Wie dem auch sein, ich komme nur auf sieben Songs, und von denen können gerade die kürzeren und kompakten überzeugen, allen voran der Opener „Something More“, der mit einer abwechslungsreichen und recht harten instrumentalen Abfahrt beginnt, und der Singlekandidat „Stand And Think“, einer der Songs, bei dem man merkt, dass STATUS MINOR über ein feines Melodiegespür verfügen. Dazu haben die Finnen mit „Masquerade“ noch eine durch und durch mitreißende Halbballade im Gepäck, die unter Beweis stellt, dass STATUS MINOR eines auf jeden Fall können, nämlich progressive Songs zu schreiben, die eigentlich gar nicht so progressiv wirken.

Eines muss ich ehrlicherweise aber auch noch loswerden. Der über 15 minütige Titelsong ist ganz klar der Schwachpunkt dieses Albums. Erstens, weil man bei diesem Mammutsong mehr will als man bis jetzt drauf hat, zweitens weil man im instrumentalen Bereich zu sehr bei den amerikanischen Göttern DREAM THEATER stibitzt und drittens, weil man ähnlich wie AFTER FOREVER auf „Invisible Circles“ mit einem Familiendrama nervt, bei dem sich am Ende Mama und Tochter in einem nicht mehr enden wollenden Zwiegespräch „Fuck You“ etc. an den Kopf werfen. Schade, dass der Ausklang nicht so überzeugt wie der Rest der Scheibe, bei der Punktevergabe macht sich das natürlich bemerkbar. (Maik)

Bewertung: 7,5 / 10