Status Minor - Ouroboros (Lion Music)

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Review

Die Liebe ist ein Thema, das die Musik durchzieht, seit es Musik gibt. Ich behaupte mal, dass selbst der Neandertaler mit Trommel und Steinreibe in der Lage war, Liebe "musikalisch" zu definieren. STATUS MINOR aus Finnland sind bei weitem keine Neandertaler und können auch mehr bedienen als einfältige Trommeln und Steinreiben, aber das Thema Liebe ist die Grundlage für ihren neusten Output "Ouroboros". Was ziemlich fremd klingt, ist tatsächlich ein Begriff aus dem alten Ägypten und bedeutet wörtlich übersetzt "Schwanzverzehrer". Das wiederum klingt in Bezug auf die Liebe jetzt eher wie ein männermordendes Frauenmonster, meint aber nichts anderes als eine Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt und somit einen geschlossenen Kreis bildet. Also, Schelm, weg mit den Schweinkramgedanken und mal weiter nach dem textlichen Konzept geschaut, das STATUS MINOR dem neusten Rundling zu Grunde legen.

So kompliziert wie die Liebe ist und sich dieses Thema auf der einen Seite scheinbar entwickelt, so einfach ist es auf der anderen Seite: Man trifft sich, verfällt der Liebe, trennt sich wieder, nur um sich beizeiten erneut zu verlieben. Und so dreht sich der Kreis immer und immer wieder, eben wie Ouroboros sich immer wieder versucht zu verschlingen.

Wer jetzt ein schmalzig-schwül-schwulstiges Oeuvre erwartet, liegt völlig auf dem Holzweg, denn STATUS MINOR sind Metaller im progressiven Sinn. In bester SYMPHONY X und/oder CIRCUS MAXIMUS-Manier jagen sie durch die 9 Lieder und begeben sich so auf den Weg durch den Kreis der Liebe, die sich immer wieder verzehrt, wehtut und doch immer wieder von vorne anfangen lässt. Sicherlich legen die Keyboards einen orchestralen Sound, auf den der Rest der Mannschaft songdienlich agiert, aber die Tasten verwässern nichts, sie bereichern. Was dieser zweiten Veröffentlichung der Finnen gut tut ist die Tatsache, dass sie nicht in unnachvollziehbaren Skalen, Takten, Rhythmen denken und komponieren, sondern hart, aber angenehm unterwegs sind. Schon das treibende Einstiegstrio legt die eigentliche Marschrichtung des Liederzyklus vor, bevor mir Like A Dream und Confidence And Trust mit etwas ruhigeren Tönen dem Thema gefrönt wird. Lediglich bei diesen beiden Songs darf Anna Murphey von ELUVEITIE ihre Stimme erheben und man wünscht sich, dass das öfter geschehen würde, denn sie und Markku im Duett, das hat schon Gänsehautcharakter. Zum Schluss wird mit Flowers Die eine sehr schöne Halbballade serviert, bevor mich die Finnen mit dem 11-Minüter Sail Away voller Freude aus dem "Schwanzverzehrer" verabschieden. Das ist noch mal ganz großes emotionales Ohrenkino.

Fazit: Diese Band sollte man in den nächsten Jahren noch auf dem Schirm haben. Wem STRATOVARIUS zu schnell, DREAM THEATER zu verfrickelt und SYMPHONY X zu heftig sind, aber eine teilzerlegte Schnittmenge aus diesen drei Bands sucht, sollte diesen Dreher hier dringend antesten.

Friedemann Schmidt