Status Minor - Ouroboros (Lion Music)

12 von 15 Punkten

Review

Ouroboros, der "Selbstverzehrer", oder besser bekannt als das Symbol der Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt. Das Symbol des ewigen Kreislaufes, oder, etwas bissiger in der Definition des Philosophen Plato: das autarke, in sich selbst geschlossene Wesen, ohne Bezug zur oder Wahrnehmung der Außenwelt, da außerhalb seiner selbst nichts existiert. Was ja, wenn man zwischen dieser Definition und dem Albumtitel einen direkten Bezug herzustellen versucht, fast schon anmaßend klingt. Harter Tobak mit philosophischem Tiefgang also, den die fünf Finnen uns hier auf ihrem zweiten Album vorsetzen? Mitnichten. Zwar ist "Ouroboros" ein Konzeptalbum, aber sie halten es lieber mit der verbreiteteren Version des ewigen Kreislaufes, und das Thema des Albums ist: Die Liebe. Man lernt sich kennen, verliebt sich, entliebt sich, trennt sich, und alles beginnt von vorne. Inwiefern Platos Definition hier dann doch greift, muss jeder für sich selbst entscheiden; aber was haben STATUS MINOR außer einem ausgefeilten, aber trotzdem für jeden nachvollziehbaren Konzept denn musikalisch zu bieten? Nun, Progressive Metal. Aber - auch hier greift wieder die genannte Definition: ausgefeilt, aber für jeden nachvollziehbar. Die typischen Frickelpassagen verkommen nie zum reinen Selbstzweck, sondern ordnen sich dem Prinzip des Songs unter, die von dem hervorragenden Markku Kuikka kraftvoll und sehr melodiös intonierten Gesangslinien bleiben im Ohr, ohne kitschig oder eingängig (im Sinne von schon oft gehört) zu sein, die handwerklichen Fähigkeiten der Musiker, ebenso wie der Sound des Albums, sind allererste Sahne. Also ein neuer Klassiker am Proghimmel, der an den Altären der Götter kratzt? Auch hier: mitnichten. Denn, so gut das Album auch ist, eines fehlt: Der Hit, der ganz große Wurf, der eine Song, den man als Überflieger bezeichnen kann, und von dem kommende Generationen von Proggies noch reden werden. Ohne das Album Kleinreden zu wollen: es gibt große Momente auf "Ouroboros" ("The Wind", "Glass Wall", "Like A Dream", "Smile" oder das überlange "Sail Away"). Aber jeder dieser Songs steht in zweiter Reihe hinter den Monumenten "Nothing Left To Say", "Metropolis", "Roads To Madness", und wie sie alle heißen. Natürlich ändert das nichts daran, dass "Ouroboros" ein hervorragendes Album einer viel versprechenden Band ist, die Progressive Metal Fans keinesfalls aus den Augen verlieren sollten. Ich vermute, dass die hier fehlende Großtat auf einem der nächsten Alben von STATUS MINOR auftauchen wird, denn das Potential dieser Band ist fast schon überwältigend.

Jens Gellner