Status Minor - Ouroboros (Lion Music)

Note: 8.5/10

Review

Finnischer Power-Prog-Gourmet-Happen der Sonderklasse.

Ihr mögt spieltechnisch hochwertige Musik? Ihr steht auf klassischen Heavy Metal? Ihr mögt ausdrucksstarke Sänger? Ihr wollte beim Anhören eines Albums immer wieder neue Feinheiten entdecken und trotzdem aus voller Brust die Refrains mitsingen können? Okay, dann könnt ihr jetzt aufhören weiterzulesen, denn all diese Komponenten findet ihr auf dem zweiten Longplayer der finnischen Band STATUS MINOR.

Um das zu beweisen, reiche ich schon zu Beginn meiner Besprechung 'Glass Wall' als ultimativen Hörtipp ans Ohr. Der Song hat mich schon beim ersten Durchlauf völlig fasziniert. Eine beinahe kitschige Keyboardmelodie über kraftvollen Riffs, die ab Gesangseinsatz dann das Ruder übernehmen, treibendes Drumming und ein Refrain, der sofort im Ohr haften bleibt, machen diesen Schmachtfetzen zur Blaupause progressiver Radiomusik. Aber diese Nummer ist nur die Spitze des Melodievulkanes. Was erwartet man auch von einem Album, in dessen Textkonzept es sich um zwischenmenschliche Beziehungen dreht? Es geht um Beziehungen, wie sie sich entwickeln, wie man sich anfreundet und auch wieder aus den Augen verliert. Große Gefühle, die von großen Melodien umgesetzt werden. Dabei gibt es aber auch ausreichend härtere Kontrastpunkte, die jeden Freund der zackigen Stromgitarre erfreuen werden. So zwirbeln die Jungs gleich im Opener 'The Wind' mit markiger Rhythmik durch die Botanik und lassen das Haupthaar flattern. Hier wird sich keiner über mangelnde Härte beschweren. Dummer Rolf Pilve lässt in dieser Nummer mächtig Dampf ab und sorgt für einen furiosen Einstieg ins Album. Und wer auf diese flinken Rhythmen steht, bekommt im weiteren Verlauf mit 'Smile' noch solch eine Melodierakete um die Ohren geblasen. Dieser Track dürfte gerade für die Proggies unter den Hörern ein echtes Schmankerl darstellen, gibt es hier doch obendrein noch wundervolle Soloduelle von Tasten und Saiten zu bestaunen. Da wird man beim Zuhören in einen herrlich blümeranten Zustand versetzt.

Wer beim Attribut progressiv an verschachtelte Rhythmen und dabei entstehende Knoten im Hirn denkt, darf sich entspannt zurücklehnen, denn STATUS MINOR gehen bei aller Technikverliebtheit immer recht gradlinig zur Sache. Selbst im abschließenden Longtrack 'Sail Away' vermeidet man gekonnt zu vertrackte Rhythmusakrobatik und beschränkt sich darauf, dem langen Song einen wundervollen Fluss zu verleihen, der den Hörer fesselt und einlullt.

Ach ja, wer sich über den Gastauftritt von Anna Murphy (ELUVEITIE) Gedanken macht, dem sei gesagt, dass ihre Stimme besonders der Ballade 'Like A Dream' eine ganz besondere Note verleit. Sehr schön.

Insgesamt ein sehr farbenprächtiges Album, welches man sich als Freund von anspruchsvoller und gleichzeitig eingängiger Rockmusik nicht entgehen lassen sollte.

Note: 8.5 / 10

Holger Andrae, 16.4.2012